Modern world
Dort wirkte um 500 v. Chr. der Geschichtschreiber Hekataus, der vielleicht als erster im abendlandischen Kulturkreis Reisen unternahm, die nicht mehr Handelszwecken oder kriegerischen Aufgaben, sondern allein der Erweiterung des eigenen Blickfeldes im Dienste der Wissenschaft dienten. Bei ihm finden wir die ersten nachweisbaren Anzeichen dafur, daB sich die Griechen nicht mit bloBer Sammeltatigkeit begnugten, sondern die Vielzahl der Nachrichten aus aller Welt zu ordnen suchten und die Erdkunde zu einem Selbstzweck, zu einer Wissenschaft erhoben. So ist es kein Zufall, daB viele groBe Entdeckertaten der alten Volker, wie die Umseglung Afrikas durch die Phonikier, von den Griechen der Nachwelt uberliefert worden sind. Besonders verdient um die Erdkunde machte sich der in der kleinasiatischen Stadt HalikarnaB im 5. Jahrhundert v. Chr. lebende Geschichtschreiber Herodot, der „Vater der Geschichte", der SudruBland und Kleinasien bis Persien und Arabien, Nordafrika von Agypten bis zur Kyrenaika, Sizilien und Italien bis zum Apennin bereiste, um Land und Leute aus eigener Anschauung kennenzulernen und in einem groBangelegten Werk uber den bekannten Erdkreis, seine Volker und ihre Geschichte im Zusammenhang zu berichten. Selbst vom nordwestlichen Indien wuBte er zu erzahlen; auch hatte er Kunde von den Zinninseln (Britannien) im fernen Norden.
Uber diese damals bekannte Welt hinaus fuhrten uber 100 Jahre spater die Reisen des Massilioten Pytheas, der zum ersten Male bewuBt nicht nur zur Vertiefung bisheriger Kenntnisse, sondern zu wissenschaftlicher Neuentdeckung auszog, um die Ausdehnung der Erde nach Norden zu ergrunden. Er befuhr die den Mittelmeerbewohnern unheimliche Nordsee mit ihren Sturmen und Ge-zeiten, ihrem oft mit schweren Wolken verhangenen Himmel und ihren dichten Nebeln. Dabei entdeckte er Thule, das Land, in dem im Sommer die Sonne fast nicht untergeht, wahrend im Winter die Nacht nur zogernd dem kurzen Tage weicht. Er brachte die erste Kunde von den deutschen Kusten mit ihren Wattenerscheinungen und berichtete von dem „geronnenen Meer" im Norden. Seine Fahrt belehrte die Griechen, daB die Okumene, die bewohnte Erde, weit groBer ist, als man bisher angenommen hatte. Bald darauf zeigten auch die Kriegszuge Alexanders des GroBen, wie weit sich das feste Land nach Osten dehnt.

   
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